Boreout – der neue Feind am Arbeitsplatz
Job und Karriere zählen heute mehr denn ja. Um ihre Ziele zu erreichen arbeiten viele Angestellte häufig mehr als 40 Stunden pro Woche. 60 oder 70 sind keine Seltenheit mehr. Das an diesem Punkt kaum noch Zeit für Familie und Privates bleibt ist klar. Und die Gesundheit wird durch den Stress früher oder später ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Ein Termin jagt den anderen, ständig steht man unter Strom. Dem Körper wird keine Zeit gelassen, die Stresshormone ab zubauen. Früher oder später schrillen alle Alarmglocken, die Betroffenen sind immer abgespannt, schlapp und schleppen sich nur noch zur Arbeit. In schlimmen Fällen droht sogar ein unfreiwilliger Aufenthalt im Krankenhaus. Dieses Phänomen der modernen Leistungsgesellschaft, der sogenannte Burnout, ist seit längerem bekannt und wird auch seitens der Schulmedizin anerkannt.
Seit einigen Wochen macht sein kleiner Bruder aber von sich reden, fast so als wolle der Boreout ebenfalls das Rampenlicht genießen. Angestellte, die in ihrem Alltag dauerhaft unterfordert werden, zeigen nach einer Weile ähnliche Symptome wie beim Burnout. Die seelische Belastung des Stunden absitzens und das ewige Versteckspiel mit dem Chef machen genauso krank, wie eine ständige 150% Leistungsbereitschaft. Dabei versuchen die Mitarbeiter häufig sogar, vor ihren Vorgesetzten mehr Eigeninitiative zu beweisen und sie auf die Situation aufmerksam zu machen. Bleibt dieses Unterfangen fruchtlos, folgt Phase 2. Die Angestellten simulieren ihre eigene Auslastung aus Angst um ihren Job. Arbeiten werden künstlich in die Länge gezogen, private Erledigungen während der Arbeitszeit unternommen. Schließlich schlägt sich dieses Gefühl und Versteckspiel auf die seelische Verfassung der Mitarbeiter nieder. Sie werden unmotiviert, fühlen sich trotzallem abgespannt, müde und schrecken vor ihrem eigenen Arbeitsverhältnis zurück.
Schulmedizinisch gesehen steht die Theorie vom Boreout noch in den Kinderschuhen. Langzeittests, welche die Vermutungen bestätigen, fehlen bislang. Aber seitens der Arbeitspsychologen ist dieses Phänomen bereits bekannt. Experten raten dazu, sich nach neuen Tätigkeitsfeldern um zusehen. Wie lange es dauert, bis das Boreout – Syndrom bei Medizinern Akzeptanz findet sei dahingestellt. Aber solange müssen Betroffenen Eigeninitiative beweisen und ihren Chef vielleicht mit Nachdruck auf die Situation aufmerksam machen.