Der goldene Patient
Immer wieder sorgen die Unterschiede, was die Behandlung von Mitgliedern der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung betrifft, für Auseinandersetzungen in der Politik und den Medien. Auf der einen Seite stehen die Kritiker der PKV und sprechen von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in deutschen Wartezimmern. Die andere Seite, Vertreter der Ärzte und Versicherungsgesellschaften, dementieren dies. Durch eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung dürfte diese Diskussion neue Nahrung bekommen. Diese Untersuchung zeigt zwei Aspekte des deutschen Gesundheitswesens relativ deutlich. Mit den Patienten der privaten Krankenversicherungen verdienen Ärzte wesentlich mehr Geld als mit einem Mitglied der GKV.
Denn während die Mediziner bei letzterem Patienten an die Vorgaben der gesetzlichen Kassen gebunden sind, können sie bei der PKV wesentlich großzügiger abrechnen. Im Schnitt liegen die abgerechneten Leistungen in diesem Fall um mehr als das Doppelte über dem Kassenpatienten. Dass diese Tatsache zu einer bevorzugten Behandlung der Privatversicherten verlockt, liegt auf der Hand. Dieser Verdacht führt zum zweiten Ergebnis der Studie – der Wartezeit. Dass ein Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung längere Wartezeiten in Kauf nehmen muss, ist sicher für einen großen Teil der Bevölkerung inzwischen kein Geheimnis mehr, allerdings untermauert die Studie diese Vermutung.
Die sooft weggeredete Zwei-Klassen-Gesellschaft ist im Wartezimmer also schon lange Wirklichkeit. Eine echte Veränderung erwarten Experten nur dann, wenn es zu einer Angleichung der Gebührensätze kommt – in diesem Fall müssen die GKV-Patienten allerdings wieder mit einigen Mehrkosten rechnen.